Hin und her, heute Nacht, hin und wieder her, musste ich mich im Bett gewälzt haben. Dann, plötzlich, dort wo die Decke nach zwei, drei Stunden unruhigen Schlafs längst nicht mehr bündig mit dem unteren, metallenen, Bettgestellträger abschließt, schnellt mein rechtes Bein nach oben, gen Schlafzimmerdecke. Ich atme schnell. Meine Hände machen Fäuste und entkrampfen sich wieder. Immer mal wieder speie ich Nikotinbatzen und allerhand Bakterien aus. Tasten. Tasten nach der anderen Betthälfte hin; immer mal wieder muss ich auch nach der anderen Betthälfte hin getastet haben, zu zensiert. Husten. Immer wieder Husten und Hände, die arbeiten, Füße, die treten. Allein mein Gesicht, so, wie es sich jetzt präsentiert, verrät, dass es eine unruhige Nacht gewesen sein muss.

Nun, das nimmt auch nicht Wunder. Denn wer kann schon von sich behaupten, je den detailgetreuen Ablauf eines Fußballspiels, das noch gar nicht stattgefunden hatte, geträumt zu haben?

Ich also hatte einen Traum:

Weiß, lila und gold schimmert es fast überall, heute, im Estadio Santiago Bernabeu. Nur oben, vom dritten Rang der im Zentrum Madrids gelegenen Betonschüssel, aus einem von 2 Meter hohen Stahlzäunen umgebenen Sektor, erstrahlt es rot. Denn dort droben hat man 2000 Menschen in eine Art Käfig zusammengepfercht; alle sind sie dort droben in rot gekleidet. Allesamt sind sie glühende Verehrer des, so scheint es immer wieder, einzig echten Fußballvereins Deutschlands, des Fußballclubs .

Die dort droben, die Roten, sie singen:

Aus Eisen und Granit

Wie einst Real Madrid (scheiß Madrid)

Und so zogen wir in die Bundesliga ein

Und wir werden wieder Deutscher Meister sein

Oh FCB, oh FCB, oh immer wieder FCB

Sie singen, doch man hört sie kaum. Denn die anderen 73000 Menschen, die, die für das Weiß, Lila und Gold im Stadion sorgen und die, die von älteren Spaniern auch die culés (lest Javier Marias!) genannt werden, die singen lauter:

„Maaaadrid, Maaaadrid“

Sie ziehen dieses „Maaaadrid“ auf so ungenierte Art und Weise in die Länge, dass es sensiblen Ohren nach spätestens fünf Minuten die Laune verdirbt.

Das Spiel dauert bereits 20 Minuten, bis dieses „Maaaadrid“ endlich verstummt. Denn ein niederländisches Pokerface, ein Mann, der schon zu Lebzeiten Legende ist, sorgt mit seinem Kopfballtor dafür, dass es den Anhängern der Königlichen die Sprache verschlägt. Nach der Pause geht es wieder los: „Maaaadrid“, „Maaaadrid“! Raul steht frei vor dem Tor und scheitert an Kahn (49. min). Zidane schießt mit der Hacke aus 42 Metern auf’s Tor, Kahn kann nur abklatschen, Solero aber haut den Abpraller aus 80 Zentimetern Entfernung ans Lattenkreuz (55. min).

à Brazzo: 2:0 (67. min)

à 68ste bis 90ste Minute: Kahn wächst über sich hinaus (Stichwort „Übermensch“)

à Solari sieht nach Tätlichkeit an „?“ die ROTE KARTE.

Bayern gewinnt

Alle Welt liegt sich in den Armen: Amorkratie.Jetzt!

 

LOVIS LÖWENTHAL