Ozeana


Rasiermesserscharf zerschneiden Wellenzungen zischend die Küste. Dämmriger Schleier und mattglühende Sonne verschlucken Fels und Klippe. Trompetendonner hallen übers weit entfernte Strandlager, so dass ein Gewitterkonzert beginnen möge.
Blitze bersten tobend auf und stechen wild ins Wasser; zurück bleiben kläffend Echospuren.
Plötzlich setzt der Regen von grausilbriger Dunkelheit ein. Und die Sonne vermodert in Wellen der schieren Unkenntlichkeit.


Knallend stürzt die Nachtwellenarmee herein
Teufelsspiralen von Orkanen gejagt
Sind Orkas
Dem Totenreich geweiht und Orakel
Schlagen mit Fängen Akkorde


Fischschwärme sind ausgewrungen am Riff der kantigen
Sehnsucht
Haitänzer glitzern fahlgelb im Sumpf der
Eifersucht
Und Regenbogenfische plätschern an der Oberfläche der Einsamkeit


Panik! Die nächste Walze rollt heran.
Heran mit wässrig roten Bällen
Saugnoppen zerren mir am Herzen
Und der giftigen Schlange erlegen
Erblicke ich Wal mit weißem Fell

Schwäne wissen zu sehen mein Herz

Eine andächtig mutige Stille ein Lichtstrahl
Huscht durch die tiefen meiner Finsternis
Und erleuchtet strahlend hell
Die Sonne der Schaumwellen
Im Antlitz

Sie lässt jeden Atemzug fühlbar spüren

Komm herein
Komm herein
Mein Herz

Noch schimmert die Oberfläche flach und leis’.
Pastellierende Töne flimmern auf.
Und grüßend flüstern Delfine Lächler in See wo Seeanemonen goldbraun
im Chor der Tentakeltöne knistern.
Nichts schöner. Nichts erbetener. Nichts mehr
Als ein Wellengang Meer


2001, Atacamawüste in Chile, Pascal Schall