Bei Tageslicht betrachtet



Bei Tageslicht betrachtet, hab ich Recht:
Oben bläst einer so nach und nach das Lämpchen
aus und unten soll ich ewig tanzen
und strahlen und ein Auge zudrücken?
Es überkommt mich planlos plötzlich.
Ich stehe oder hocke oder liege
und dann ist es da, eben wie
ein Platzregen plötzlich da ist.
Dann zähl ich meine Jahre
runter und blick hinauf ins Himmelblau.
"Wie lange darf ich noch?", flöt
ich zärtlich in den Äther und beginne
zu warten. Jedoch eine Antwort hab ich
bis heute nicht erhalten. Noch immer aber
steh und hock und liege ich – und noch
immer ist's nicht weg. Also wend
ich mich flugs an mich:
Wie lange machst du's noch?
Gott sei es gedankt, denn ich
weiß Rat. Die Uhr läuft ab, so peu
à peu, und so, wie sich es jetzt präsentiert,
wird's nimmer mehr sein, ganz
gewiss, Lovis, ganz gewiss. Gut,
sag ich zu mir und blicke um
mich. Wenn es bald zu Ende
ist, erzähl ich mir,
dann liebe, jetzt!



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